The Lord

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Bachenberg, Rheinland-Pfalz, Germany

Dienstag, 27. Januar 2009

Savannenwind - Kapitel 2 (1)


„Nein ich habe nichts zu verzollen“, brummte Deveraux energisch. Den kleinwüchsige Zollbeamten schien dies jedoch nicht weiter zu beeindrucken.
„Das sagen sie alle“, bohrte er seinen fleischigen Zeigefinger zum wiederholten Mal in Deveraux rechte Schulter.
„Sagen sie mal, ihnen ist wohl gar nichts heilig“, fauchte Deveraux nun wütend.
„Ich bin Detectiv der PCID und…..“, er kam nicht weiter.
„Und ich bin Deputy Commissar der Border Selection und ich sage Ihnen sie sollen jetzt gefälligst ihre Koffer öffnen“. Deveraux resignierte. Er nahm seinen Helm ab und wischte sich wütend den Schweiß von der Stirn. Es war heiß, obwohl die Landeplattform des Raumhafens in einer Höhe von 2 Kilometern oberhalb des Makropolbodens lag. Die warmen Aufwinde des Umlandes sorgten für einen stetigen Atmosphärenausgleich auch in diesen Höhen.
„Sie haben Waffen dabei“, stellte der königliche Zollbeamte emotionslos fest. Deveraux holte sein Zigaretteetui.
„Nein, dass hätte ich nicht für möglich gehalten“, spielte er Verwunderung.
„Trage ich sogar Uniform?“, setzte er sarkastisch nach. Der Zollbeamte hob die rechte Augenbraue.
„Ich kann sie auch festsetzen lassen, ich habe den Anschein sie sind nicht ganz bei Sinnen“, sagte er ruhig. Deveraux schloss die Augen und drehte sich um. Er blickte über die Landeplattform.
„Dax, kümmern sie sich darum“, brummte er missmutig und ließ den jungen Polizisten mit dem Zollbeamten allein. Dax hatte das gesamte Gespräch schweigend verfolgt und war sichtlich irritiert.
„Sir ?“, fragte er verwirrt.
Deveraux fixierte ihn.
„Wenn sie nicht wollen, dass bereits hier ein Mord geschieht….“, begann er. Ob es das hysterische Leuchten in seinen Augen war oder pure Angst, Dax bewegte sich. Deveraux ließ einen Gepäckschubwagen passieren und ging zur Aussichtsveranda.
Während er seine Augen das Panorama geniesen ließ, dass sich ihm von hier aus bot, beruhigte er sich. Die Makropole erstreckte sich über zwei Kilometer in die Tiefe und mehrere Quadratkilometer in die Breite. Am Rand der Stadtgrenze begann der Dschungel des Mysobs, den er von Bord der Minota aus bereits gesehen hatte.
Im Osten grenzte er direkt an die Gerölllandschaften der Japh-Tal und im Süden an die gemässigten Savannen der Ravi Shankra. Die Kandaberge bildete eine natürliche Grenze zwischen dem Mysob und der Ravi Shankra.
Jetzt lagen die Berge noch im Dunst des Sonnenaufgangs. Er drehte sich langsam herum und sah Dax und den Zollbeamten ruhig die Papiere durchgehen. Er ließ seinen Blick schweifen und beobachtete das Entladen der gelandeten Frachter und Transporter. Er sah mit einem inneren Hochgefühl wie drei volle Gefechtskompanien der Praetorianischen Garde, Soldaten und Mannschaften noch im Standardrot, einen Frachter verließen. Ihnen folgte eine Schwadron Leman Russ Kampfpanzer bereits in Wüstentarnfarben. Mehrere Adepti und Servitoren des Administratums begannen mit dem Verladen von Versorgungscontainern und Güterballen.
Der Geräuschpegel war überwältigend. Dax schlenderte zu Deveraux herüber. Er hatte mehrere Papiere in der Hand. Von dem Zollbeamten war nichts mehr zu sehen.
„Danke Dax“, sagte Deveraux und lächelte.
„Es war gar nicht so schlimm. Ich habe unser Gepäck bereits bei Transcontinental aufgegeben. Sie werden es in unsere Zugabteile bringen lassen. Sie haben zwei Nachrichten vom Astrophatica Telephatica, Sir und ausserdem haben wir eine Einladung….“, Dax drehte den Kopf um besser lesen zu können.
„….eine Einladung zum Neujahrsball des Generalgouverneurs in Kandraphur“, er gab Deveraux die Datentafeln und Ausdrucke.
Deveraux fühlte sich zu beobachtet auf dem Aussichtsdeck.
„Wir sollten uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Ich lese die Nachrichten später.“
Dax nickte.
„Da entlang, wir müssen einen der Aufzüge mit…….Glasboden……nehmen“, Dax stammelte. Die Personenaufzüge waren Gläsern und gingen von der Landeplattform die gesamten 2 Kilometern direkt am Rand des Makropolturmes in die Tiefe. Deveraux ging als erster hinein.
„Wissen sie, Dax, wenn wir hier sterben, dann haben wir wenigstens einen schönen Ausblick“, Deveraux lachte. Dax bekam eine andere Gesichtsfarbe, stellte sich aber neben seinen Chef.
„Dann schauen sie eben nach innen“, sagte Deveraux. Doch Dax schloss einfach nur die Augen.
„Schon besser, Sir“ sagte er dann.
„Sie sind mir vielleicht ein Assistent“, lachte Deveraux. Der Lärm hatte mit dem Schließen der Türen sofort nachgelassen, was allein bereits beruhigend war. Dann setzte sich der Lift in Bewegung. Der Makropolboden kam sehr, sehr schnell näher.

***

„Danke, das wäre dann alles“, sagte Deveraux und gab dem Concierge ein Trinkgeld.
„Danke Sahib, wenn sie noch etwas benötigen, nur Klingeln, Sahib“, er verbeugte sich und legte als Geste des Dankes die Hände zusammen vor das Gesicht. Dax und Deveraux hatten zwei nebeneinander liegende Abteile. Sie würden nun noch ganze achtundvierzig Stunden mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Indiras Hauptmakropole Paschawar bis nach Kandraphur fahren. Erst dort würden sie offiziell ihre Arbeit aufnehmen können. Während Dax sich um das Auspacken kümmerte, lass Deveraux die Nachrichten. Die erste war von Lord Cardigan und bereits zwei Wochen alt.
Nachdem Deveraux seinen Code eingegeben hatte wurde die Nachricht aufgespielt.
Hallo mein Freund, ich hoffe ihre Reise verläuft ohne Zwischenfälle. Ich habe dafür Sorge getragen, dass sie auf Indira IV alles haben, was sie benötigen. Der Ordos hat Ihnen eine interrogale Vollmacht ausgestellt. Sie haben daher inquisitorische Rechte erhalten. Nutzen sie sie weise, mein Freund. Es hat mich einige Verbindungen zum Ordos Praetoria gekostet. Sie wissen ja, dass die Inquisitoren manchmal sehr eigen sind.
Seien sie bitte bei ihren Ermittlungen behutsam. Sie haben zwar alle Vollmachten, aber die örtlichen Militärbefehlshaber sind nicht auf den Kopf gefallen. Behandeln sie sie mit Respekt. Ich weis das ich ihnen diese Rede nicht halten muss, aber sie verstehen die Situation…..
Deveraux hielt inne. Lord Cardigan war ein Mentor für ihn und er wusste das dem Chef der gesamten königlichen Polizeistreitkräfte nicht mehr daran gelegen war, dass die Angelegenheit gelöst wurde, als Deveraux. Dennoch wunderte sich John Deveraux über den Ton der Nachricht.
Ein Wort zum Schluss, lass Deveraux weiter. Lord Hamilton hat mir versichert, dass die Offiziere und Soldaten des 20ten Praetoria die besten und treusten der hiesigen Besatzungstruppen sind. Sollten sie Hilfe benötigen, so können sie sich an Viscount Sidmouth oder Lieutenant Colonel Wimsay wenden. Ausserdem habe ich Sir Archibald, den hiesigen Chef der Praetorianischen Arbites, angewiesen sie in allem zu unterstützen. Da jedoch der Planet nach wie vor unter Kriegsrecht steht, wird er wenig außerhalb der Polizeibezirke erreichen können. Es mag ihnen vielleicht möglich sein, örtliche Führer in Anspruch zu nehmen. Colonel Wickers brachte mir eine Meldung, dass in der Oase von Khor`Dy noch weitere Ausgrabungen durchgeführt würden. Das könnte ebenfalls ein Hinweis für sie sein, mein Freund. Gute Jagd !
Der Brief endete mit der Unterschrift. Dann ein post scriptum.
Der Adler sieht mehr. Beute bei Sixtus. Helios steht im Zenit, Cardigan.
Deveraux stutzte. Der letzte Satz war in Glossia, einer alten Geheimsprache aus dem Scarus Sektor, abgefasst.
Sie beinhaltete eine extreme Warnung, dass Deveraux und sein Partner überwacht würden und vermutlich Lebensgefahr bestand. Cardigan ging offensichtlich davon aus, dass die offiziellen Kanäle überwacht wurden, sonst hätte er die Nachricht nicht in dieser Kampfsprache verfasst. Deveraux würde auf der Hut sein.
Die zweite Nachricht war einen Tag alt und kam von Sir Archibald. Sie war kurz und pragmatisch abgefasst und bestätigte alle Buchungen und Unterkünfte für Dax und Deveraux sowie einen Willkommensgruss. Ausserdem beinhaltete sie eine Liste der Personen, die Deveraux nun im Laufe seiner Ermittlungen zu befragen suchte. 4 waren noch im aktiven Dienst. Ein Major, zwei Lieutenants und ein Color Sergeant. 3 waren während der letzten Frühjahrsoffensive gefallen und zwei hatten den Planeten bereits vor fünf Jahren mit anderen Einheiten verlassen.
Deveraux schloss den Brief. Er würde in Kandraphur persönlich mit Sir Archibald über die Angelegenheit reden.
Die Einladung zum Neujahrsball des Generalgouverneurs war in der Tat eine Überraschung. Was sollte ein Chief Inspector schon beim Gouverneur ? Deveraux vermutete Cardigans Handschrift hinter der Einladung und ging davon aus, dass die Personen, die er dort Kennenlernen würde, für ihn nützlich sein könnten.

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