The Lord

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Bachenberg, Rheinland-Pfalz, Germany

Donnerstag, 5. März 2009

Fortsetzung des Kapitels 2

Während er noch darüber nachdachte, setzte sich der Schnellzug in Bewegung. Deveraux hatte nichts von Paschawar mitbekommen. Er sah aus dem Fenster und beobachtete fasziniert, wie die näherer Umgebung langsam verschwamm, während der Zug fahrt aufnahm. Die Umgebung selbst verändert sich schnell. Die inneren kolonialen und modernen Bauten der Hauptstadt wichen dem alten Stadtbild und dann den außen liegenden Slums. Dann jagte der Zug auf eine höherer angelegte Bahntrasse und ringsherum wurde es dunkelgrün.

* * *

„Samuel ! Samuel“; die Stimme kam laut aus dem Schlafraum. Der alternde Soldat lief, zwei Taschen, sechs Hemden und drei Stiefelpaare auf dem Arm in den Raum.
„Sir, ja, Sir!“, meldete er sich.
Gabriel starrte ihn an und fing laut an zu lachen.
„Es tut mir leid, Samuel. Ich bin undankbar“, er nahm seiner Ordonnanz die Stiefelpaare und Taschen ab.
„Danke Sir“, sagte Samuel.
„Hast Du meine Jagdkleidung bereits eingepackt?“, fragte der frischgebackene Major.
Sein Bursche nickte.
„Ja Sir, die und die Tweeds ebenfalls“, er zeigte auf drei Schankkoffer am Ende des Flures.
„Du bist ein guter Mensch, Samuel“, sagte Gabriel Harno.
„Lady Berinice hat eine Nachricht hinterlassen…“, begann Samuel.
„Nicht jetzt, ich habe nicht mehr viel Zeit. Wo ist die Attila ? Wo ist die neue Uniform ?“, er begann damit in einem Berg von Wäsche auf dem Bett zu wühlen.
„Sir, hier ist sie“, beruhigte ihn sein Bursche. Die Husarenuniform des 115ten sah ein wenig anders aus. Die Uniform war in Feldgrau gehalten. Silberne Schnüre und Epauletten sowie die klassische Husarenattila mit silbernem Besatz in Feldgrau. Der Pitty hatte eine dunkelgraue Färbung. Ein versilbertes Messingschild des praetorianischen Wappens war auf der Stirnseite. Ausserdem hatte er eine versilberte Säbelpicke an der Spitze und einen silber-blauen Halsumlauf. Ein Pallasch hing in einer Scheide daneben.
„Perfekt“, murmelte Gabriel und ging daran seine Wüstenuniform aufzuknöpfen.
„Sorg dafür das alles eingepackt wird“, sagte er erneut.
„Jaaahaa“, brummte Samuel ein wenig entnervt und ging hinaus in den Flur. Dort traf er auf einen frischgebackenen Captain.
„Wie ich sehe hat die Familie heute Feiertag, wie ?“, er beglückwünschte Gorm, machte aber keine Anstalten in seiner Arbeit innezuhalten.
„Wo..?“, begann Gorm. Samuel zeigte ins Ankleidezimmer.

Gabriel hatte die Uniform schnell gewechselt. Trotz dem ganzen Silber, den Schnallen auf der Koppel, den betressten Epauletten und blinkenden Uniformlitzen der Reiterattila, bedrückte ihn das dunkle Feldgrau. Ein wenig Wehmütig blickte er auf das Bett und sah die alte, beigefarbene Uniform.
„Du siehst gut aus“, sagte eine ihm bekannte Stimme und holte ihn aus den Gedanken.
„Gorm“, Gabriel baute sich vor seinem jüngeren Bruder auf.
„Ein wahrer Husar!“, sagte Gorm.
„Na, kleiner, aber ich sehe das deine Litzen auch blinken, hat da etwa einer ebenfalls eine Pipe mehr bekommen?“, faxte Gabriel.
Er schlug seinem Bruder auf die Schulter und machte sich daran Sachen in die Koffer auf dem Bett aufzuheben.
„Ich habe ein Kommando bekommen“, sagte Gorm. Es platzte förmlich aus ihm heraus.
Gabriel hielt inne.
„Das ist ja großartig ! Was ist es, eine Kompanie ? Eine Schwadron ?“
Gorm hielt seinen Helm vor sich.
„Die Calandra Garnison mit der 3. Kompanie.“
„Calandra, das ist … eine schwierige Situation. Aber ich denke du wirst es schaffen“, sagte Gabriel und lachte wieder.
„Und du ?“, fragte Gorm besorgt.
„Unser Regiment wird nach Aexe Cardinal verschifft. Die Welt liegt im Sabbat Cluster. Nach den Meldungen sollen wir dabei helfen den Bodenkrieg endlich zu beenden. Der jahrelange Stellungskrieg soll aufgebrochen werden. Und dazu benötigen sie mobile Einheiten. Wir werden bei einem Ort Namens Brunsgatte mit sieben weiteren Regimentern eingesetzt“, erklärte Gabriel seine neue Marschbefehle. Gorm sagte nichts.
„Pass auf dich auf. Ich habe von Aexe gehört. Es ist ein mörderischer Krieg“, begann er.
Gabriel lachte.
„Welcher Krieg ist das nicht, kleiner Bruder“, faxte er.
„Deine Uniform“, begann Gorm nach Worten ringend.
„Was ist damit ? Schick, oder ?“, Gabriel spielte sich im Spiegel auf.
„Das ja, aber sie macht mir Angst, Gabriel“, Gorm schaute ihn an.
Gabriel bekam einen milden Gesichtsausdruck.
„Wir dienen dem Imperator und dem König wohin er uns auch ruft“, sagte er dann sanft.
„Ein Harno lässt sich nicht unterkriegen“, er sah fest in Gorms Augen.
„Du und ich, wir schaffen unseren Weg, Ruhm und Ehre“, er nahm seinen Bruder in den Arm.
„Ruhm und Ehre“, sagte Gorm.
Gabriel verschloss den großen Koffer.
„Calandra also, wie ? Da wird der Radscha wohl auf seine Töchter aufpassen müssen“, er lachte. Gorm wurde rot.
„Hast Du schon mit Berinice gesprochen, Gab ?“, fragte er, während er zwei kleine Koffer aufhob. Gabriel schüttelte den Kopf.
„Ich hatte noch keine Zeit“, begann er.
„Du solltest aber….“
„Ich weis, heute Abend, versprochen!“
Gorm lächelte und verabschiedete sich von seinem Bruder.
„Wir sehen uns morgen früh beim Appell“, rief dieser seinem Bruder nach. Die Regimenter würden gleichzeitig abrücken. Gorm blieb unbemerkt im Türrahmen stehen. Eine Brise aus der Japh-Tal ließ die bodenlangen Vorhänge wallen und sein Bruder war nur noch Schemenhaft dahinter zu erkennen. Gorms Herz krampfte sich und er schien zu wanken. Er hatte das Gefühl Gabriel nie wieder zu sehen. Samuel räusperte sich.
„Ich passe auf ihn auf, Master Gorm“, sagte der schon so viele Jahre für seinen Bruder dienende Bursche.

Gorm verließ das Offiziersquartier seines Bruders und ging nachdenklich die Veranda entlang zum Turbolift im Nordturm. Die Sonne brannte heißt an dem späten Nachmittag. Einige unerbittliche Sergeanten waren dabei den Strafkompanien das Exerzierreglement nahezulegen und mehrere Eskadrone der mysopischen Kavallerie sorgten für viel Staub. Auch eine Panzerkompanie ratterte ausserhalb der Festungsanlage zu ihrem Übungs- und Schießständen. Gorm stellte sich an die Reling des Decks und blickte auf das fünfhundert Quadratmeter große Areal des Hauptplatzes der Festung. Er ließ seinen Blick schweifen bis zum Haupttor und dann den Hauptturm hinauf, die beiden, 300 Meter hohen und mit riesigen Fahnen beflaggten Masten hinauf. Ein Silberner Aquila auf weißem Grund und ein mit Lorbeeren umrahmter Löwenkopf auf goldenem Grund. Die riesigen Fahnen wallten langsam in der Mittagssohne und schimmerten zeitlos.
„Gedanke, Captain?“, fragte eine tiefe Stimme aus dem Schatten zu seiner rechten.
„Der Imperator beschützt, Edward!“ zuckte Gorm zusammen.

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